Was ist Po.et?

In manchen Beiträgen auf unserer Website ist euch vielleicht ein kleines Kästchen mit einer Feder und der Inschrift „Verified on Po.et“ aufgefallen, richtig? Keine Panik, das Teil hat nichts mit euch zu tun. Dennoch ist es eine sehr spannende Sache und gerne möchten wir an dieser Stelle ein wenig mehr dazu erklären.

Stellt euch ein Tool vor, mit dem Medienschaffende ihre digitalen Werke sichern können – und zwar mit sogenannten „Zeitstempeln“. Auf Basis der Blockchain-Technologie werden hierbei digitale „Fingerabdrücke“ hinterlegt, die beweisen können, dass ein Werk nicht verändert oder manipuliert wurde. Auf unserer Website nutzen wir dieses Tool in Form jener kleiner Kästchen in unseren Beiträgen und sichern damit unsere Arbeit ab. Ein zusätzliches „Gütesiegel“, wenn man so mag.

Verified on Po.et

Juni 15th 2018, 08:44

Beispiel einer Implementierung von Po.et

Dieses Gütesiegel nennt sich vereinfacht „Po.et“ und präsentiert sich als universelles Werkzeug und zugleich digitales Kassenbüchlein (Ledger) für kreative Arbeiten und deren Nachverfolgung. Gestärkt durch eine weltweite Community und das Po.et-Protokoll, können damit digitale Werke anhand ihrer Metadaten und Eigentumsinformationen authentifiziert und verwaltet werden – und zwar dezentral, baby!

Was macht Po.et so besonders?

Po.et ist eine Weiterentwicklung des „Proof of Existence“ – der ersten nicht-finanziellen Anwendung der Blockchain. Durch die Realisierung einer offenen Plattform auf der Bitcoin-Blockchain zielt Po.et darauf ab, eine weltweit überprüfbare Bilanz von digitalen Medien bereitzustellen. So wie die Blockchain-Technologie unsere Finanzindustrie revolutioniert hat, möchte Po.et die Verlagsbranche verändern. Mit dem genannten Ledger für kreative Arbeiten soll eine Plattform für weitreichende Medienanwendungen geschaffen werden.

Problem

Der Existenznachweis ist eine Dienstleistung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt die Existenz eines Inhalts nachweist. Als eigenständiger Service ist der Nachweis der Existenz wertvoll, um die Authentizität eines digitalen Dokuments zu einem späteren Zeitpunkt nachzuweisen. Verantwortliche erhalten jedoch keine Garantie über die Genauigkeit, Wahrhaftigkeit oder Nützlichkeit einer bestimmten digitalen Arbeit (eines „Assets“).

Um Po.et als Plattform für Content-Angebote, deren Lizenzierung und Monetarisierung zu etablieren, hat sich das Team hinter dem Projekt folgende Fragen gestellt:

  • Wie kann hierzu ein dezentrales System aussehen?
  • Wie wird festgestellt, welche Informationen nützlich, vertrauenswürdig oder authentisch sind?
  • Was hält jemanden davon ab, ein berühmtes Werk zu kopieren, es auf Po.et zu „stempeln“ und es für sich zu beanspruchen?
  • Wie werden „gute“ von „schlechten“ Inhalten getrennt? (Stichwort: Fake-News)

Lösung

Die Antworten auf diese Fragen können mit der Po.et-Community gefunden werden, indem die wirtschaftlichen Anreize von Content-Erstellern, Verlegern und Kuratoren über konkurrierende Token-kuratierte Marktplätze abgestimmt werden.

Das Team hinter Po.et hat folglich eine Vielzahl solcher Marktplatz-Modelle entwickelt, um die Nützlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und Genauigkeit von digitalen Assets zu ermitteln. Solch ein „Marktplatz“ ist eine kuratierte Auswahl von Po.et-Assets und diese existieren als eine Art „Signalmechanismus“, um die Entdeckung von qualitativ hochwertigen Inhalten zu fördern. Sie bieten einen wirtschaftlichen Anreiz die Nützlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und Genauigkeit von Inhalten über ihre Nutzer zu kuratieren und an Involvierte weiter auszulagern. Zum Beispiel könnte ein solcher Marktplatz für „freie Illustrationen“ erstellt werden. Wenn dieser Marktplatz eine wirtschaftlich wichtige Rolle spielt (zum Beispiel für die Bereitstellung von hochwertigen Social-Media-Inhalten), wird es von Vorteil sein, diesem Marktplatz beizutreten.

Jeder Marktplatz kann einzigartige Methoden implementieren, um zu entscheiden, welcher Inhalt wertvoll oder vertrauenswürdig ist. Letztendlich aber liegt die endgültige Entscheidung beim Endbenutzer oder der Lizenznehmenden, welche „Wahrheit“ am meisten mit ihren eigenen Vorstellungen und die ihrer Konsumenten in Resonanz tritt. Je wertvoller ein Markt ist, desto eher wird dessen Vision von „Wahrheit“ bei den Endnutzern ankommen. Der Wert von Marktplätzen und das inhaltliche Ranking innerhalb eines Marktplatzes dienen als wertvolle Messwerte, anhand derer ein Endnutzer entscheiden kann, welchen Inhalten er vertraut.

Marktplätze werden durch „Token“-entscheidende Umfragen in Übereinstimmung mit vorgegebenen Richtlinien kuratiert. Der Po.et-Token (POE) dient als wirtschaftliches Tauschmittel auf allen dieser Marktplätze und soll Anreize für Partizipationen und Kurationen schaffen. Jeder Content-Ersteller kann eine Platzierungen seiner Inhalte auf vorhandenen Martkplätzen beantragen, indem er sich an den ausgesuchten Marktplatz wendet und eine Einzahlung via Po.et-Tokens tatigt.

Die Nutznießer dieser Marktplätze sind Verlage, Content-Kuratoren oder alle, die die Rechte an digitalen Assets lizenzieren möchten. Dadurch können auf der Po.et-Plattform eine unbegrenzte Anzahl verschiedener Marktplätze geschaffen werden, die jeweils einen anderen Wertbeitrag leisten. Die heutigen zentralen Content-Plattformen, wie zum Beispiel YouTube, beschäftigen unmengen an Teams von Content-Analysten, die unangemessene, markierte oder rechtsverletzende Videos manuell überprüfen. Jeder Po.et-Marktplatz kann jedoch einen dezentralisierten Satz von Moderatoren aus der Community befähigen und Anreize dafür schaffen.

Beispielszenarien

  1. Tobi wird durch den Plagiatdetektor eines Marktplatzes gewarnt, dass Phils neu veröffentlichte Zeichnung 99 Prozent ähnlich zu einer Zeichnung ist, die zuvor von Tobi gepostet wurde. Der Marktplatz, dem die beiden angehören, verlangt, dass jede Ähnlichkeit über 85 Prozent automatisch von allen Marktteilnehmern angefochten und zur Abstimmung gebracht wird. Marktplatz-Mitglieder können in solchen Fällen darüber abstimmen, ob sie glauben, dass Phil Tobis Zeichnung plagiiert hat. Wenn die Mehrheit der abgegebenen Stimmen glaubt, dass die Zeichnung plagiiert wurde, verfallen Phils Token-Anteile, die wiederum an die Mitglieder verteilt werden, die mit der Mehrheit stimmten. Marktplatz-Mitgliedern wird ein Anreiz gegeben, korrekt abzustimmen, um einen qualitativ hochwertigen Marktplatz zu erhalten und den Wert ihrer Token zu steigern.
  2. Phil schließt sich einem Marktplatz an, der hochauflösende Webcomics kuratiert. Auf diesem Marktplatz wird in den Regeln festgelegt, dass Tobi das einzige Mitglied der Wählerschaft ist. Phil beschließt, einen Webcomic auf dem Marktplatz zu veröffentlichen. Doch Tobi bemerkt bei dieser Veröffentlichung einen qualitativen Unterschied zu den bisher eingereichten Werken andere und kommt zu dem Schluss, dass Phil mit seinem Beitrag gegen die Regeln des Marktes verstößt. Tobi informiert Phil darüber und da er das einzige Mitglied der Wählerschaft ist, benötigt Tobi auch keine weitere Genehmigung, um Phils Webcomic direkt entfernen und seinen eingezahlten Token-Anteil konfiszieren zu können. In diesem Fall wird Tobi dazu ermutigt, ein „fairer“ Autokrat zu sein, der die Qualität des Marktes sichert und damit zukünftige Einreichungen fördert.

Wenn euch das Thema ebenso begeistert und ihr noch mehr darüber erfahren möchtet, gehts auf der offiziellen Website weiter.

Recherchiert und frei übersetzt aus „POE: An Economic Tool for Crowdsourcing Truth“, Elliot Feeny